Anastasiia (22) lebt in der ostukrainischen Stadt Isjum. Während der russischen Besatzung musste sie zahlreiche traumatische Erlebnisse durchstehen. Sie wurde Zeugin schwerer Verletzungen nach Raketenangriffen, erlebte die schwere Erkrankung ihrer Mutter und lebte über Monate hinweg in ständiger Angst und Unsicherheit. Nach der Befreiung der Stadt traf sie ein weiterer schwerer Schicksalsschlag: Zunächst verlor sie ihre Mutter, kurze Zeit später auch ihre Großmutter. Heute lebt sie gemeinsam mit ihrem Vater.
Die Erfahrungen des Krieges haben tiefe seelische Spuren hinterlassen. Anastasiia leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Immer wieder wird sie von Flashbacks heimgesucht, hört Explosionen, obwohl keine stattfinden, und erlebt die Angst und den Schrecken der Kriegszeit körperlich und emotional erneut.
Trotz dieser belastenden Erfahrungen hat Nastia ihren Lebensmut nicht verloren. Als talentierte Künstlerin möchte sie ihre Kreativität nutzen, um anderen Kindern und Jugendlichen zu helfen. Mit Mal- und Kreativangeboten möchte sie einen geschützten Raum schaffen, in dem junge Menschen zur Ruhe kommen, ihre Gefühle ausdrücken und für einige Stunden den belastenden Kriegsalltag vergessen können. Gleichzeitig gibt ihr diese sinnvolle Aufgabe selbst neue Kraft und hilft ihr dabei, Schritt für Schritt ins Leben zurückzufinden.
Ab kommender Woche wird Nastia für uns die nächsten drei Monate einmal wöchentlich Malkurse für bis zu zehn Kinder und Jugendliche in Isjum anbieten. Die Teilnahme ist für alle Kinder kostenlos.
Die Malkurse sollen den Kindern einen Ort der Kreativität, Gemeinschaft und Hoffnung schenken. Für einige Stunden können sie dort den Alltag des Krieges hinter sich lassen, ihrer Fantasie freien Lauf lassen und neue Zuversicht gewinnen. Gleichzeitig erfüllt es Nastia mit großer Freude, anderen Kindern etwas Gutes tun zu können und ihnen durch ihre Kunst ein Lächeln zu schenken.

